Mittwoch, 18. September 2013

Dienstag, 3. Spetember 2013


Koh Phangan


Um zwölf Uhr morgens beende ich den Test meiner Augenlider auf Lichtundurchlässigkeit. Es hat den Anschein, als hätte ich recht gut  genächtigt. Mit leichtem Sodbrennen nehme ich mir vor, den Strand Haad Rins einmal bei Tageslicht zu betrachten. Trubel habe ich erwartet. Was ich vorfinde ist jedoch ein schattiges Plätzchen unter einer Palme, begleitet von den sonnigen Gitarrenklängen Jack Johnsons. Möglicherweise dauert es auch deshalb eine halbe Stunde, bis ich vom Wasser aus bemerke, dass es sich wirklich um denselben Strand handelt, an dem ich mich vor weniger als zwölf Stunden unter einer in Flammen lodernden Limbo-Stange hindurchmanövrierte. Das Wasser ist himmlisch. Im flachen Nass döse ich vor mich hin. Angetan von der Atmosphäre um mich herum, finde unglaubliche Entspannung. Ich spreche zwei hübsche Französinnen an, deren Bikinis mir gefallen. Es ist offensichtlich, dass sie in Bangkok gewesen sein müssen, denn dort wimmelt es geradezu vor Stoffen, mit diesen unverwechselbaren Hippie-Mustern, die ihre Zweiteiler zieren. 


Auf dem Rückweg mache ich halt am Coral Bungalow Club, der für den heutigen Abend mit einer Pool-Party lockt. Da die Sonne dem orange schimmernden Horizont immer näher kommt, ist es Zeit, dass ich mir etwas Indisches aus der prall gefüllten Speisekarte bringen lasse. Während mir die kulinarischen Köstlichkeiten den Gaumen beglücken, werde ich Zeuge eines bezaubernden Sonnenunterganges im Paradies. Ich werde das verhaltene Gefühl nicht los, dass es mir hier ganz gut gefällt. Da ich meine gehört zu haben, dass die Beachparty bis zum Morgen andauern soll, beschließe ich die Nacht hier zu verbringen und möglicherweise am Strand zu schlafen, um den Sonnenaufgang zu genießen. Anschließend würde ich mit dem Scooter zurück ins Hostel brausen. Der Plan sollte leider nicht ganz aufgehen.


Nachdem ich mich mit meinen Zimmerkollegen im Hostel besprochen habe, wollen wir zunächst alle gemeinsam zu einer Beachparty und anschließend unsere verschiedenen Partys aufsuchen. Mit meinem Roller breche ich auf, während die Anderen mit dem Taxi fahren. Ich fahre etwas weiter, um mein Gefährt bereits bei der Poolparty zu parken. Anschließend mache ich mich zu Fuß auf den Weg zur Beachparty. Die ist zwar nur 800 Meter entfernt, doch ich muss die Straße entlang gehen und die führt ausschließlich bergauf. Als ich, natürlich hauptsächlich(!) ob des Klimas, ziemlich erschöpft oben ankomme, warten die anderen bereits auf mich um mir mitzuteilen, dass die Party noch nicht begonnen hat. Also geht es für mich den ganzen Weg wieder zurück und noch etwas weiter. Wir beschließen nämlich zum Strand zu gehen. Auf dem Weg entlang der Straße überholt uns ein völlig überfülltes Taxi. Auf der kleinen Einstiegsstufe, an der auch die Rücklichter befestigt sind, stehen bereits drei junge Männer und halten sich am Dach des umgebauten Minitransporters fest. Zwar rast die Maschine rasant an uns vorbei, doch ich bin mir sicher, einen der drei erkannt zu haben. Das war Dror. Ein Israeli, den ich zusammen mit einer Gruppe Deutscher in Bangkok kennengelernt habe. Zwar wusste ich, dass sie auch auf einer der Inseln unterwegs sein müssten, doch dass ich sie hier sehe, überrascht mich doch freudig. 
Als wir am Strand sind, nehme ich mir vor nach ihnen Ausschau zu halten. Keine 30 Sekunden dauert es, bis ich sie finde. Unglaublich! Mit der großen Gruppe beschließen wir nach Eden aufzubrechen. Eden ist ein kleiner Teil der Insel, der nur mit dem Taxiboot zu erreichen ist. Ich verfolge dabei noch immer den Plan, im Anschluss die Poolparty aufzusuchen. Mit dem Boot fahren wir für 150 Baht nach Eden und schon allein die Fahrt ist das Geld wert. Ich habe zu diesem Zeitpunkt bereits einiges über die Drogenexzesse an diesem Ort gehört und bin gespannt, was mich erwartet. Wir kommen am Strand an und steigen aus dem kleinen Boot ins Knietiefe Nass. Zwischen großen Felsen gehen wir einen Weg auf Holzbrettern entlang, den man als irgendetwas zwischen einer Brücke und einem Steg beschreiben könnte. Links und rechts des Weges haben es sich einige Leute gemütlich gemacht und genießen den Anblick der Sterne oder einfach nur ihren Rausch. Wir biegen um den nächsten größeren Felsen, an dessen Fuße das Meerwasser emporquillt.  Man hört bereits die dumpfen Elektro-Klänge, die viele Menschen hier mit dem wilden Nachtleben Berlins assoziieren. Jeder zieht seine Schuhe aus, bevor er die auf den Felsen errichtete Holzkonstruktion betritt, auf der sich ein ganzer Club unter freiem Himmel befindet. Dieser Ort versprüht seine ganz eigene Magie. Ich fühle mich an all das erinnert, was mir sonst nur aus Filmen bekannt ist, die in den 60er oder 70er Jahren spielen. Es fühlt sich an, als wäre ich zurückversetzt worden, in eine Zeit, in der ich nie war. In bunten schlabberigen Hosen tanzen Einige, als befänden sie sich in Schwerelosigkeit. Mit beiden Armen in der Luft, begleiten sie sanft die Klänge der Elektromusik. Viele dieser Leute sind bereits über 30, manche über 40. Und wenn ihr zweiwöchiger Urlaub an diesem merkwürdigen Ort beendet ist, kehren sie wieder zurück in ihre Büros, fern von bunten Schlabberhosen. Rund um die Tanzfläche liegen Polster auf dem Boden, auf denen sich man sich niederlassen kann. Dieser Ort ist befreit von jeder Hektik. Es ist, als wäre er umhüllt von einer riesigen Entspannungswolke. In Anbetracht des Geruchs, der mir aus allen Richtungen in die Nase weht, ist das wohl auch der beste Ausdruck. So begeistert ich auch von der Surrealität dieses Ortes bin, muss ich doch feststellen, dass mir das alles irgendwie zu viel ist. Außerdem möchte ich ja auch noch zur Pool Party. Als ich dort ankomme, ist die natürlich bereits beendet. 





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